Der Weg zum Heiligen und die Herausforderungen gemeinsam eine sinnliche Beziehung zu teilen

Ich biete jedes Jahr eine Reihe von Seminaren an, vorwiegend in Europa. Und bei jeder Tour werde ich gefragt, ob ich nicht auch mal ein Seminar über heilige Beziehungen geben kann. Viele Männer und Frauen haben mir privat offenbart, in ihrer Beziehung unzufrieden zu sein und vielleicht aus ihrer gewählten Beziehung oder Ehe aussteigen zu wollen. Einige suchen nach weniger Grenzen, andere nach mehr. Einige möchten mehrere Partner, andere möchten nur einen. Manche wollen mehr Freiheit, manche mehr Grenzen. Einige bevorzugen es, intimer zu sein, andere wollen mehr Autonomie. Selten bin ich auf zwei Menschen gestoßen, die genau die gleiche Vereinbarung in ihren Beziehungen haben wollen. Also habe ich gezögert, etwas anzubieten.

Es gibt viele Kurse, die eine Form zum Erschaffen der idealen oder perfekten Beziehung anbieten. Es wäre nicht schwierig, ein Format wie dieses oder eine ähnliche Alternative dazu zu finden. Aber ich bin der Meinung, dass jede prototypische Formel zur Herstellung der perfekten Beziehung möglicherweise irreführend sein kann. Viele dieser Kurse sind wertvoll und haben Paaren geholfen, das zu finden, was sie sich erhofft hatten. Aber jede Beziehung ist auch einzigartig. Wenn du den Druck oder die Konzepte einer einzelnen idealen Art in einer Beziehung zu sein deiner Beziehung auferlegst, birgt dies gleichzeitig die reale Gefahr, die wesentliche Unschuld zu ruinieren, die erforderlich ist, um sich in einem ständig wandelnden Prozess zu befinden. Und in einer solchen Formel gibt es die sehr reale Möglichkeit, sein Selbst zu verlieren, anstatt das eigene Selbst zu finden.

Jede Beziehung erfordert ständige Erneuerung und Einsicht. Die meisten Paare sind bestrebt, einen Ort zu finden, der ihnen Sicherheit gibt. Tatsächlich sind echte wachstumsorientierte Beziehungen aber alles andere als sicher. Wahrhaftige Beziehungen fordern von Natur aus jede Ego-Grenze und erlerntes Ideal heraus. Beziehungen sind nicht gut für uns, wenn sie einfach sicher sind. Wir brauchen sie, um unser Bestes geben zu können, um echt zu sein. Aber dazu müssen wir das Risiko eingehen, Türen und Fenster in uns selbst zu öffnen, die mehr einer Entdeckung als einer festgelegten Formel bedürfen. Und manchmal muss ein Paar, damit es findet, was wirklich echt ist, zuerst die Form vollständig zerbrechen.

Wenn wir unseren Wunsch, unsere Identität zu rechtfertigen oder zu behaupten, achtsam niederlegen, können wir bis zu einem gewissen Grad über unser Gefühl der Trennung hinausgehen und erkennen, dass wir alle eine in uns wohnende Heiligkeit teilen.

Das vorherrschende Ideal in unseren immer fehlbaren menschlichen Liebesbeziehungen ist es, einen Weg zu finden, den anderen auf bedingungslose Weise zu sehen. Gleichzeitig müssen wir auch die natürlichen körperlichen Zustände von Dualität und Sinnlichkeit darin achten. Dieser Prozess oder diese Art zu sein ist einfacher, als die meisten Leute vielleicht glauben. Aber diese Art zu sein wird dennoch selten realisiert.

Es ist ein zutiefst spirituelles Konzept, das jedoch keine spezifische religiöse Beteiligung oder den Einfluss bestimmter Glaubensrichtungen erfordert. Ich erwähne dies, weil Religion im Allgemeinen universell ist, während Spiritualität praktisch immer persönlich ist. Heilige Beziehung ist natürlich ein religiöses Konzept, aber eigentlich ist es mehr spirituell, weil es zutiefst persönlich ist. Im Idealfall ist die heilige Beziehung die Vereinigung eines Paares, in der beide das Göttliche ineinander ehren. Die Religion spielt dabei nicht unbedingt eine Rolle. Eine heilige Beziehung bedeutet, das Einssein zu erfahren, indem man einen gemeinsamen Weg geht. Dies wird jedoch nur selten erfahren, da wir im Alltag Erfahrungen machen, uns abstumpfen und ernüchtern lassen. Diese Enttäuschungen entstehen häufig durch die Suche nach Perfektion in einer Welt, in der niemand perfekt ist.

Für Tausende von Menschen repräsentiere ich den idealen Lehrer, um spirituelle Führung zu geben. Infolgedessen werde ich oft zur Projektionsfläche, von der erwartet wird einem vorgestellten Ideal zu entsprechen. Diese Erwartungen stammen aus Vorstellungen, die Menschen beigebracht wurden, darüber, wie ein spiritueller Lehrer zu sein hat. Das ist sicherlich nachvollziehbar, aber diese Vorstellung von vorgefertigten Formen ist hoffnungslos fehlerhaft und extrem einschränkend.

Was auch immer ich tue oder welche Facette von Wissen ich präsentiere, läuft dies bei jedem Teilnehmer, Leser oder Zuhörer auf einzigartige Weise durch die Filter des Verstandes. In diesem Vorgang durchsucht der Betrachter auf natürliche Weise seine Erinnerungsdatenbank und vergleicht meine Handlungen mit einer früheren Indoktrinierung von Idealen oder Konzepten. Diese unschuldige und automatisierte Aktion der Prüfung tritt besonders akut hervor, wenn es um Beziehungsinteraktionen geht. Leider beruht diese Prüfung sehr oft auf Doppelmoral. Was der durchschnittliche Mann oder die durchschnittliche Frau im Alltag für sich selbst erfahren oder tun, ist für ihren spirituellen Lehrer selten akzeptabel.

Die folgende Geschichte geschah vor ungefähr 10 Jahren und ist ein Beispiel aus meinem eigenen Leben dafür, wie sich das abspielen kann. Bei der Erzählung dieser folgenden wahren Begebenheit ist es wichtig zu verstehen, dass ich nicht unter einem Zölibat stehe und ein enthaltsames Leben für mich gewählt habe. Ich vertrete die romantische Ansicht, dass Sexualität in einer Beziehung ein exquisites, vitales und nährendes Charakteristikum des Menschseins ist. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass die restriktiven oder wertenden Regeln, die unterschiedliche Hüter von Gesellschaftsstrukturen Beziehungen aufzuerlegen versuchen, für die meisten Menschen viel zu fehlerhaft sind, um sie aushalten zu können. Ich halte an dieser Überzeugung fest, weil jede Person einzigartig ist und unterschiedliche Bedürfnisse hat und als solche ein angeborenes göttliches Recht hat, auch ihre sexuellen Bedürfnisse und Beziehungen entsprechend zu orientieren.

Beziehungsformen in unserer Gesellschaft und die Freiheit der Wahl

Ich bin auch der festen Überzeugung, dass die #MeToo-Bewegung eine wichtige Rolle als Initialzündung innehält, um schädliche Interaktionen zwischen Männern und Frauen aufzuzeigen. Dies wirkt unterstützend, um Heilmittel zu finden, in einer Welt, die es schwer hat zu verstehen. Gleichzeitig finde ich es zutiefst falsch, Beziehungen ohne Mitgefühl zu verurteilen, wenn jemand eine persönliche Entscheidung trifft für Polygamie, Monogamie, Heterosexualität oder Homosexualität oder auch dafür zölibatär zu leben.

Abgesehen von den meist angeborenen Trieben unterschiedlicher Körpertypen und mentalen Konstitutionen sind diese oben genannten „Labels“ meist etwas, das manche Menschen benötigen, die auf der Suche nach Zugehörigkeit sind und versuchen diese in einer Nischenidentität zu finden. Aus diesem Grund finde ich es fast unmöglich, in eine dieser Kategorien zu passen. Obwohl ich für den Betrachter zweifellos ein Monogamist zu sein scheine. Genauer gesagt, ein serieller Monogamist, der sich dafür entscheidet, immer nur einen Partner zu haben, gegenüber dem überzeugten Monogamisten, der sich dafür entscheidet, ein Leben lang nur einen Partner zu haben.

Ich war in diesem Leben zweimal verheiratet. Meine zweite und gegenwärtige Ehe hat mein Leben in den letzten dreißig Jahren auf spirituelle Weise erfüllt. Daher habe ich mich als Serienmonogamist bezeichnet. Aber meine Entscheidung, nur in dieser einen Beziehung zu sein, ist nicht, weil ich glaube, dass Monogamie anderen Beziehungsformen überlegen ist. Es ist einfach das, was ich persönlich bevorzuge, um meine Beteiligung an dem aufrechtzuerhalten, was ich als eine sich entwickelnde heilige Beziehung empfinde. Vor und zwischen meinen Ehen hatte ich zahlreiche Beziehungen, von denen jede von einem wesentlichen Wunsch geprägt war, diese „heilige Beziehung“ zu finden. Mehr dazu später.

Jüngste konservative Studien in den USA bestätigen, dass 55% bis 60% der Menschen mindestens einmal in ihrer Ehe über ihre gelobten Grenzen hinausdriften werden. Zahlreiche Experten zum Thema Beziehung besagen nun, dass die Monogamie rückläufig ist und in Zukunft wahrscheinlich nur noch selten gewählt werden wird. Ob das stimmt oder nicht, ich denke nicht, dass sie ihre Verbreitung so schnell verlieren wird.

Was wir sehen, ist nicht immer das, was ist. Viele Ehen scheinen heute an der Oberfläche monogam zu sein, haben jedoch heimliche Affären, von denen einige jahrelang andauern. Einige korrigieren ihren Kurs und erholen sich und gehen zu einer tieferen und treueren Art der Ehe über. Andere einigen sich auf eine flexiblere Art der Beziehung, die gelegentliche externe Partner zulässt. Andere fügen sich einem Leben der Unzufriedenheit mit ihrem Sexualleben und beschließen, es aus wirtschaftlichen oder freundschaftlichen Gründen aufrecht zu erhalten.

Ich bin der Meinung, dass niemand das Recht hat, eine dieser Entscheidungen zu beurteilen oder zu verurteilen, da sie alle Teil der Reise eines jeden Menschen zur Selbstfindung sind. Alle Wesen sind auf die eine oder andere Weise auf der Suche nach Liebe. Obwohl dieser Weg mit Pannen und falschen Entscheidungen behaftet sein mag, ist es letztendlich diese Kernsuche nach Liebe, die unweigerlich zur Suche nach unseren Heiligen Beziehungen führt.

Meine eigene Suche nach Heiliger Beziehung

Bevor ich meine jetzige Frau traf, hatte ich begonnen, zu einem Leben in Enthaltsamkeit zu tendieren. Ich war zu der Entscheidung gekommen, dass alles, was ich mir in einer Beziehung gewünscht hatte, bereits in mir vorhanden war. Alles befand sich dort, wo mein individuelles Bewusstsein die bedingungslose einheitliche Seite des Daseins berührt. Dort existierten alle Wesen in einem einzigen Feld der göttlichen Anmut und Gnade.

Ich war gerade aus einem Jahr der Stille gekommen, das ich in einem Retreat auf einem Berg verbracht hatte, als ein alter Freund zu Besuch kam und fragte, ob ich in Seattle eine junge Künstlerin treffen möchte, die ihre Kunst dem Ausdruck ihrer spirituellen Visionen gewidmet hatte. Ich stimmte zu, und fand unerwartet bald eine Liebe in meinem Herzen aufblühen, die anders war, als alles, was ich zuvor in meinem Leben erfahren hatte. Ich habe ihre menschliche Schönheit gesehen, aber es gab noch so viel mehr. Es schien keinen Widerstand in ihr zu geben, als mein Blick jenseits der äußeren Begrenzungen ihrer grünen Augen ging und die Essenz ihres hohen Selbst berührte. Ich wusste sofort, dass ich die Möglichkeit hatte, das Ufer echter heiliger Beziehung zu erkunden, nach der ich in all meinen vergangenen Beziehungen gesucht hatte. Sie sah dasselbe und nachdem wir ein paar Jahre zusammengelebt und uns aneinander angepasst hatten, heirateten wir uns auf einem heiligen Heiau-Plateau an der Nordküste von Kauai. Wir wussten es beide; wir hatten einen dritten Weg gefunden: ihren, meinen und was als Ergebnis unserer beiden Wege vereint in der Einheit hervorkommen würde. Bald lebten wir unsere Einzigartigkeit vorbehaltlos während wir gleichzeitig in der Umarmung des großen Yab-Yum lebten, dem vereinten Feld, das ewiglich jenseits aller Grenzen und Bedingungen existierte.

Unser Leben tanzte in Harmonie, als ich meine Arbeit weiterentwickelte und immer mehr Kurse in Europa anbot, während sie sich großzügig um alle kümmerte und sie unterstützte, die zu uns kamen und Heilung, Rückhalt oder Inspiration brauchten. Aber in diesem Prozess brachte das Leben, wie so oft ohne Vorwarnung und Fairness, einen Schicksalsschlag, der seine Last auf uns legte. Ihr Vater nahm sich auf tragische Weise das Leben und katapultierte sie in einen endlosen Schock und eine schmerzhafte Desillusionierung, die Jahre dauern würde.

Die Auswirkungen waren sofort in unserer Beziehung zu spüren, als sie sich, verständlicherweise, von ihrer üblichen Bereitschaft zurückzog, ihr Herz vollständig für das Leben oder für mich zu öffnen. Ihr Vertrauen in diese Welt war durch tragische Umstände getrübt worden, und es spielte sich unbeabsichtigt in unserer Beziehung ab. Ihre Güte und ihr Mitgefühl für alle Wesen setzten sich fort, vielleicht sogar vertieft, aber ihre innige Nähe zu mir war aus verständlichen Gründen gebrochen. Wir sprachen oft darüber, und es war klar, dass sie ihren Schmerz durchbrechen wollte, um zu dem Ort zurückzukehren, den wir einst gemeinsam gekannt hatten. Aber es war offensichtlich, dass ihre Bemühungen, die Kluft zu heilen, Zeit brauchen würde.

Die Jahre vergingen und das Fehlen des „Wir“ forderte langsam seinen Tribut von mir. Sie war mit einem göttlichen Herzen geboren, das so empfindsam und überirdisch war, dass es so aussah, als ob es eines vollständigen Rückzugs bedurfte, um ihr essentielles Göttin-Selbst neu zu entfachen, das jenseits der brennenden und zerstörerischen Kräfte lebt, die sich so oft erheben, um das Licht zu testen. Ich war mir damals nicht sicher, welcher Weg der richtige für sie sein würde. Es war eine Wahl, die nur sie treffen konnte. Würde sie sich aus dem Leben, wie sie es kannte, und aus unserer Beziehung zurückziehen und an einen Ort der erneuerten Unschuld zurückkehren müssen, wie ein Kind, das das Leben neu beginnt? Oder würde sie ihren Weg durch diese Herausforderung in unserer nährenden Umgebung finden, die wir als unser gemeinsames Zuhause geschaffen hatten? Ich war fest entschlossen, diese Richtung nicht aufzugeben. Aber ich war nicht vollständig darauf vorbereitet, dass das Fehlen ihrer vorherigen Liebe sich zu einer Verletzlichkeit für mich entwickelte.

Infolgedessen habe ich eine schwere Fehlentscheidung getroffen. Eine lange Zeit verging. Immer mehr begann ich mir vorzustellen, dass ihre Qual dazu geführt hatte, dass sie ihre Liebe zu mir verloren hatte. Sie war mein Heiligtum gewesen, unser gemeinsames Zuhause in der Einheit auf dieser Erde. Da ich nicht das Recht hatte, meinen Wunsch, sie zur Heilung zu drängen, durchzusetzen, vertiefte ich mich stärker in meine Arbeit und bemerkte nicht, dass ein subtiler Nebel der Verletzlichkeit begann sich zu formen.

Als Teil meiner Arbeit habe ich viele Paare bei Beziehungsproblemen beraten, von denen die meisten in gewissem Maße damit zu tun hatten, dass einer oder beide Partner nach Liebe außerhalb ihrer monogamen Ehegrenzen suchten. Sexualität war fast immer das primäre Medium, um die Kanäle für das erhoffte Ziel zu öffnen. Fast jedesmal, wenn das Paar versuchte, Heilung zu finden, lief es auf die eine einfache Entscheidung hinaus, ob sie als natürlicher Ausdruck ihres Wesens bedingungslos lieben konnten. Oder waren sie unnachgiebig von der Liebe des anderen abhängig, um ihnen das Gefühl der Ganzheit zu geben? Die erste Wahl, ruft ein nahezu augenblickliches Gefühl der Erfüllung hervor und führt zurück zur Mitte. Die zweite Wahl führt meistens zu einer sich vertiefenden Verwundbarkeit. Diese Verletzlichkeit führt unweigerlich dazu, im Außen nach einer Lösung zu suchen.

Wie ich bereits erwähnte, ist die heilige Beziehung ein Eins sein als Paar, bei dem beide das Göttliche ineinander ehren. Es ist das Erfahren der Einheit, durch das Teilen eines gemeinsamen Weges. Es ist ein zusammengewachsener Weg, der jedoch vollständig von der Beziehung jeder Person zu sich selbst abhängt. Es gibt nur eine zuverlässige Formel. In der Erkenntnis des Eins seins in sich selbst wird das Eins sein in der Beziehung verwirklicht. Das Erkennen von Liebe entsteht aus dem Eins sein, nur dann kann Liebe in der Beziehung zum Leben erweckt werden.

Der Weg zur heiligen Beziehung kann die Illusion nicht überleben, dass der andere die Quelle für die eigene Erfüllung sein muss. In der heiligen Beziehung sind wir es, die wir suchen. Das Gegenüber ist nur unsere Gelegenheit, den Glanz unserer Entdeckung zu teilen. Einmal verwirklicht, wird Liebe ausschließlich von innen bezogen, in einem offenen Feld der gemeinsamen Einheit. Was der andere tut oder nicht tut, ist nicht mehr der entscheidende Faktor in der Liebe.

Mein Urteilsfehler war unbeabsichtigt dem Ruf erlegen, die Erfüllung im Außen zu finden. Glücklicherweise können unsere Fehler auf unserer Suche nach einer heiligen Beziehung durch Aufrichtigkeit und innere Einsicht zu einer größeren Stärke und tieferen Weisheit heranreifen, wenn wir genügend Zeit und Erfahrung haben. In meinen Seminaren werde ich als Instanz wahrgenommen oder als Beispiel für das, wonach die Menschen streben.  Aus diesem Grunde fühlen sich Menschen angezogen, die nach ihrer idealen Beziehung suchen. Infolgedessen werde ich des öfteren als Ziel für eine mögliche Annäherung, die zu einer neuen Beziehung führen könnte, ins Auge gefasst. Ich habe das als Teil meiner öffentlichen Bekanntheit und Arbeit akzeptiert, habe mich aber in dreißig Jahren nie dazu entschlossen, die Linie meiner Beziehung zu übertreten, um solchen Aufforderungen nachzukommen. Außer einmal vor zehn Jahren.

Eine deutsche Frau mit starkem Sinnesdrang hatte einige Jahre an meinen Seminaren teilgenommen. Sie war geschickt kokett, strategisch, akut offensiv und äußerst deutlich in ihrer Sinnlichkeit. Bis ich erkannte, dass sie eindeutige Absichten mit mir hatte, hatte ich mich bereits in ihre Flirtereien verstrickt. Ich muss hier hinzufügen, dass dies nicht nur ihr Handeln war, sondern auch meine Entscheidung, daran teilzunehmen. Normalerweise hätte ich solche Absichten einfach so vorbeigehen lassen, ohne ihnen viel Aufmerksamkeit zu schenken, aber der Nebel der Schwachstelle, die sich entwickelt hatte, hatte mich fest im Griff. Ich war mir seiner Auswirkungen nicht ganz bewusst, was mich aus meiner üblichen Gleichgültigkeit gegenüber dem natürlichen menschlichen Verführungsspiel herausgezogen hatte.

Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass es für diejenigen, die auf eine neue Beziehung hoffen oft wenig ausmacht, ob ihre Zielbeziehung verheiratet ist oder nicht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen in unseren heutigen Gesellschaften die Gewässer anderer Beziehungen testen. Dies ist eine der Möglichkeiten, wie sie sich die Beziehungen heute wandeln und verändern. Nachdem ich so viele Paare beraten habe, habe ich festgestellt, dass dies der häufigste Weg ist, wie viele Menschen ihre Partner finden. Wie ich bereits sagte, ist das Leben eine Reise, die für jeden Menschen einzigartig ist und bei der jeder den freien Willen hat, seinen Weg zu wählen. Die einzigen Grenzen im Leben sind die, die wir wählen.

Es gab einen unbestreitbaren Konflikt in meinem Herzen. Plötzlich stand ich in krassem Gegensatz zu zwei meiner zentralen Vorsätze: Niemals sexuell mit einer Seminarteilnehmerin in Berührung zu kommen und, was noch wichtiger ist, meine Entscheidung für Monogamie in meiner Beziehung niemals zu verraten. Aber mein Herz war durch das lange Warten auf das Zurückkehren meiner Geliebten müde geworden. Und diese Frau schien auf frappierende Weise in der Lage zu sein, sich darauf einzustimmen. Anfangs schien der Flirt harmlos, was sich über ein Jahr hin und her bewegte. Ich war von eindeutigen körperlichen Interaktionen abgehalten, weil wir auf gegenüberliegenden Seiten des Ozeans lebten und in den wenigen Wochen eines Jahres, als ich in Europa war, konsequent rund um die Uhr mit der einen Frau zusammen war, die ich wirklich liebte, meiner Frau. Doch eines Abends, während eines Seminars in Norditalien, fand ich mich beim Überschreiten der Linie wieder.

In diesem Moment schien es, als würde diese einmalige Handlung meine auserwählte Beziehung auf die schlimmste Weise beenden. Ich hatte meine Verwundbarkeit nicht innerlich gelöst und hatte durch meine Handlungen meine Frau zutiefst verletzt. Als der entscheidende Moment kam, setzte eine einfache, einzige Erkenntnis ein: Ich liebte die neue Frau, mit der ich interagiert hatte, nicht. Ich hatte nur eine brennende Liebe in meinem Herzen, die tiefere spirituelle, die meine heilige Beziehung gewesen war! Aber jetzt schien es, dass die Beziehung plötzlich zu einem Ende kommen könnte. Ich hatte die Form gebrochen. Ich befand mich auf einem Abgrund zwischen zwei Realitäten, meinen unvollkommenen menschlichen Umständen und meinem göttlichen Rückzug in die Einheit.

Doch dann geschah etwas Außergewöhnliches. Als Konsequenz dessen, dass die alte Form zerbrochen war, konnte meine Geliebte durch den Nebel greifen und mich wieder sehen. Sie sah mich nicht als den Verräter, als den die dunklere Seite der Gesellschaft die Person, die es riskiert eine Beziehung zu brechen, oft brandmarkt. Sie sah die Person, die sie wirklich geliebt hat, die unsere Liebe schon lange vermisst hat und infolgedessen das Risiko eingegangen war, entweder alles zu beenden oder diesen entscheidenden Moment für einen Neuanfang zu nutzen.

Gemeinsame Einheit ist eine Entwicklung

Zehn Jahre später bin ich immer noch mit meiner Geliebten zusammen. Der Unterschied zwischen dem, wo wir vorher waren und wie wir jetzt sind, wird am besten in der großartigen Tiefe unserer gegenwärtigen Liebe eingefangen und dem unschuldigen Hören auf das was sein könnte, statt zu bekräftigen, was sein sollte. Die Vorstellungen von Beziehung und was uns beigebracht wird, ist für keinen von uns mehr relevant. Stattdessen ist jeder Moment eine Wahl, ein klares Ehren unserer selbst und des anderen. Alle Erwartungen waren von den Umständen beseitigt worden und eine reinere und reifere Unschuld kehrte zurück. Eine Unschuld, die nicht auf dem Bedürfnis beruht, dass meine Geliebte mir Erfüllung bringt, sondern auf der ewiglichen Entdeckung und der Freisetzung des Glanzes, den unsere in uns selbst erzeugte Liebe entfesselt.

In den letzten zehn Jahren gab es viele Entdeckungen über die heilige Beziehung, von denen die wichtigsten im Folgenden aufgeführt sind:

Text: Aaravindha Himadra, Übersetzung: Aiyanna Diyamayi

Möchtest du über neue Artikel informiert werden?

Trage dich in unseren Email-Verteiler ein und erhalte alle Neuigkeiten und Inspirationen!

Die Sicherheit deiner Daten ist uns sehr wichtig, siehe Datenschutzerklärung.

Besuche unsere Facebook Community Gruppe!

Melde dich an und habe Teil an einer Online Community mit vielen netten Menschen aus der ganzen Welt!