BAUMAITRI — FREUNDE DER ERDE

BAUMAITRI — FREUNDE DER ERDE

Für diese Welt und für dich selbst, lerne aus der Stille zu hören,

Nach diesem zarten Flüstern, das deinen wahren Grund des Seins offenbart

Im Jahr 1912 schrieb der Umweltphilosoph John Muir: „Wenn wir die ganze Welt als einen großen Tautropfen betrachten, gemustert und übersät mit Kontinenten und Inseln, der mit den Sternen durch den Weltraum fliegt und gemeinsam als Eins singt und leuchtet, könnte das ganze Universum erscheinen wie ein endloser Sturm der Schönheit.“

Vor sehr langer Zeit erschienen wir auf wundersame Weise hier auf dieser blauen Welt als wandernde Entdecker, als Kinder einer größeren Unsterblichkeit. Wir kamen als geisthafte Abgesandte einer unerklärbaren Intelligenz an, die zu groß war, um sie zu beschreiben. Nachdem wir durch die scheinbar endlosen sternenerleuchteten Tiefen gereist waren, sind wir endlich auf diese kleine Welt voll Wasser gestoßen.  Intuitiv sahen wir in dieser blühenden Fülle ein vielversprechendes Zuhause. Unsere Geister fielen wie ein Spektralregen in die empfangende Umarmung der Erdmutter und jeder Tropfen fügte sich willig in ihre lebensformende Gnade ein.

Wir haben schnell gelernt, diesen Großen Geist mit demütiger Fürsorge und tiefer Verehrung zu respektieren. Wir haben ihr unsere ersten Bündnisse angeboten. Im Gegenzug formte sie unsere Körper und kleidete uns in eine Verschmelzung ihrer fünf lebensspendenden Elemente: Äther, Luft, Feuer, Wasser und Erde. Als wir unser sterbliches Gewand aufgenommen hatten, erwachte unsere Fähigkeit, sie zu hören, sie zu fühlen, sie zu sehen, sie zu schmecken und ihre irdischen Verlockungen zu riechen. Als zuvor zeitlose Wesen, die nun darauf beschränkt waren, in begrenzten tierähnlichen Körpern zu leben, lernten wir, uns schnell ihren natürlichen Gaben, Gesetzen und Gefahren anzupassen, Als wir die große Herausforderung des Lebens erkannt hatten, die wir hier vorgefunden hatten, verschrieben wir uns der Entschlüsselung ihrer vielen Sprachen. Wir lernten das seidige Flüstern über die Jahreszeiten in ihren Winden zu hören, das endlose Geben und Nehmen ihrer sich verändernden Gezeiten zu spüren und fanden die Fähigkeiten, die Schreie und Lieder ihrer anderen Nationen von Kreaturen zu verstehen und zu schätzen. Wir gingen in ehrfurchtsvoller Bewunderung durch die großen Wälder der Baumvölker, kletterten in die himmelwärts ragenden Berge, schwammen in den geheimnisvollen smaragdgrünen Tiefen und türkisfarbenen Meeren und lernten uns in den weichen grünen Feldern unter der nährenden Sonne und den schimmernden Sternen zu betten.

Wir lernten, vorsichtig durch ihre ungezähmte Wildheit zu gehen, eine wilde natürliche Rohheit, die uns aus der Notwendigkeit herausforderte, alles zu lernen, was wir konnten. Wir öffneten ihr mit Bewunderung unser Herz und stimmten unseren Verstand in Respekt und Vorsicht auf ihre Wege ein. Da wir die noch zu entdeckenden Schätze fühlen konnten, die uns noch an den ungezähmten durchlässigen Orten* erwarteten, haben wir erkannt, dass es in diesem irdischen Traum einen großen Zweck für uns geben muss. *Anmerkung der Übersetzung: „thin places“, Orte, meist Kraftorte, an denen ätherische Welten die unsere berühren.

Wir suchten, und bevor wir es wussten, waren wir eng mit dem sich weiterentwickelnden Gewebe ihres befehlenden Willens verwoben. Wir fanden heraus, dass auch wir ihre Wildheit in uns hatten, eine Wildheit, die uns dazu brachte, ein Gleichgewicht zwischen Chaos und Ordnung, Konflikten und Harmonie, und Nehmen und Geben zu finden. Wir fanden dort, jenseits der offensichtlichen Oberflächen der Dinge, tief in dieser Wildheit die zugrundeliegenden Kräfte, die alle Dinge in und aus der Existenz bewegen. Wir passten uns an und wurden immer geübter.

Aber nicht alle Sterngeborenen hielten den Kurs. Viele schliefen in der Schwerkraft des Vergessens ein, die scheinbar damit einherging zu lange vereinzelte Individuen zu sein. Aber einige schafften es, sich bewusst zu bleiben. Diese wenigen fühlten ihren Ruf durch sich aufsteigen, wie Wölfe, die ihre Dankbarkeit dem Mond entgegenheulen, wie Vögel, die ihre Morgenpreisungen singen und wie die großen Wale, die ihre heilenden Gesänge in die Strömungen der Meere tönen. Diese wenigen ragten aus der Menge hervor, ihre Köpfe in den Himmel gestreckt, und ihre Füße wie Ohren an die pulsierenden Rhythmen des Landes gepresst. Diese wenigen erkannten, wie die Wölfe, die Vögel und die Wale erkannt hatten, dass sie eine entscheidende Rolle zu spielen hatten. Sie waren gekommen, um ihre Aufgabe als Hirten, Frieden-Erhalter, Gesandte zwischen den Welten und hingebungsvolle Wächter einer notwendigen Ordnung und Heilung aufzunehmen. Und so übernahmen sie die Aufgabe, Vermittler zu sein und die höheren Welten mit der materiellen Erde zu verbinden.

Der Erdengeist sprach großzügig zu diesen Wesen und enthüllte ihre Erinnerung, die in die Felsen eingebettete war, ihre Heilkräfte in Pflanzen und die besondere Kraft und Schönheit in ihren vielen Geschöpfen. Mit der Zeit wurden sie zu ihren Hütern, ihren Beschützern, um zu heilen und Harmonie zu schaffen. Als sie die Geheimnisse erlernt hatten, das Heilige in die Form zu bringen, hatten sie die Mittel gemeistert, um die Kräfte der Schöpfung und Zerstörung auszugleichen und Ordnung zu schaffen, wo immer es Leid und blinde Unruhe gab. Nachdem sie das alte Wissen der Sternenwelten bewahrt hatten, schufen diese noblen Wesen eine Möglichkeit, um die alten Wahrheiten weiterzugeben, um die gebrochenen oder verletzten Lebensformen zu heilen. Diese wenigen wurden die ersten Baumaitri. Und so hatten die wichtigsten Freundschaften von Mutter Erde begonnen.

Schließlich wurden die Baumaitri die wichtigsten Erdmagier der großen Mutter, Hüter der verborgenen Macht und die Hörenden, die die Fähigkeiten entwickelten, um mit den feenhaften und mächtigen Geistern zu kommunizieren. Die Baumaitri lernten ihre Geheimnisse kennen und wurden die ersten Medizinbringer, die die Mittel fanden, die heiligen Klangströme in die Erde, das Wasser und den Himmel zu singen und dabei einen heiligen Bund mit den fünf alles durchdringenden Elementen erschufen.

Die Baumaitri waren die tugendhaften, halb menschlich und halb göttlich: die Angirasa, Rishis-Seher, Rutengeher, Geistlehrer, die Dichter der Seele und heilige Pfadfinder. Die Baumaitri bauten die ersten großen Monumente der Erde auf, indem sie das alte Wissen aus früheren Welten lebendig machten. Nicht für die Menschheit allein, sondern als lebendige Kanäle zwischen den kosmischen Reichen und den endlos vielfältigen sichtbaren und unsichtbaren Wesen dieser Erde. Sie errichteten die hochaufragenden Steine, die massiven Obelisken und später die großen Monolithen. Sie pflanzten damit Himmelszeiger – ein Ende in den ungezähmten Erdwirbel vergraben, das andere in die von den Himmeln herabreichende Spirale heilender Kräfte gerichtet. Indem wir diese Kräfte zusammenführen und verschmelzen, wie ein Heiler unsere menschlichen Energiemeridiane verbinden und aktivieren könnte, regenerierten sie Ordnung und leiteten sie in das irdische Netz, um ihr die Mittel zu geben, die galaktische Präsenz dieser Welt zu stärken.

Die ersten großen Amartya-Gesandten der Schöpfungs-Taras, und die später ankommenden kemutischen (alt-ägyptischen) Seher, Vedische Rishis und Kelten riefen von den Sternen der Ahnen die heilige Mathematik und Himmelstöne herab, die die Heilkünste der Erde werden sollten. Auf diese Weise erweckten sie die lebensbildenden Kräfte des Bewusstseins, die sowohl der großen Mutter als auch ihrer endlosen Vielfalt von Kindern die ultimative Erfüllung bringen sollten. Sie arbeiteten eng mit der Weisheit des Erdgeistes zusammen, sowohl im sterblichen Traum der sich ständig verändernden Möglichkeit als auch in den zeitlosen Tempeln der unendlichen Wahrheit. Sie erkannten bei dieser Arbeit, dass die schlafenden Kinder der Sterne eines Tages ihren Weg zurück in die unsterblichen Bereiche finden würden, um ihren ultimativen Beitrag, eine wahre göttliche Manifestation des einen Hohen Selbst, durch ihr Leben hervorzubringen.

Aber eine größere Anzahl von Wesen fiel allmählich tief in den sterblichen Schlaf, und es wurde unruhiger. Von der Quelle aller Dinge losgelöst, sehnten sie sich zunehmend nach mehr. Schließlich verloren sie sich vollständig in einem kollektiven Hunger, um dann weiter in ein leidvolles Chaos zu verfallen. Mehr und mehr fanden sie sich in einem zunehmenden Gefühl von Mangel, hin und her geworfen von der nie endenden Gier nach mehr materiellen Freuden und der Aversion vor dem Schmerz. Sie verwechselten Gefühle mit Emotionen, Glück mit Glückseligkeit und Verlangen mit Liebe. Missgebildet durch ihre Illusionen etablierten sie ihre Anhaftungen und Abneigungen zwischen Mangel und Wert und Gier und Verleugnung. Ohne es zu wissen, hatten sie die Macht ihres himmlischen Erbes ihren mangelorientierten Abwehrhaltungen und Begierden untergejocht. Sie begannen, ihren größeren Sinn für die Dinge zu verlieren und bezweifelten, dass sie jemals unsterblich waren. Bald konnten sie nicht mehr jenseits der Angst und Begrenzungen von Geburt und Tod blicken. Sie fanden sich beängstigend gefangen in einer immerwährenden Vergänglichkeit. Nachdem sie die ewigen Wahrheiten verloren hatten, hielten sie sich ängstlich an den vergänglichen Dingen fest, fürchteten den möglichen Verlust dessen, was sie angesammelt hatten und klammerten sich verzweifelt an das, was die Zeit ihnen stehlen wollte. In dieser Trennung vom Mutterleib der Einheit hatten Ambition und das Bedürfnis nach persönlicher Macht und Identität bald jene vitale Kunst des Hörens auf die Antworten abgelöst, die unsere gemeinsamen Bedürfnisse erfüllen würden.

Viele einst große Wesen verloren bald ihre Augen, Ohren und Herzen und ignorierten die warnenden Worte der Baumaitri: „Passt auf, damit ihr euer Leben und alle Vernunft nicht in der Schaffung eines falschen Bildes verschwendet. Ihre Zahl wuchs und schließlich verschmähten die Vielen die Weisheit der Baumaitri insgesamt, und erlagen ihrer Gier und ihrem Hunger nach mehr Macht. Anstatt für das Recht auf Leben sorgezutragen, waren sie getrieben sich mehr und mehr zu nehmen. Viel mehr, als diese irdische Mutter ertragen kann.

Viele andere wandten sich gegeneinander und bekriegten sich für jedes Quäntchen mehr, dass sie bekommen konnten. Angetrieben von einer sich ständig verstärkenden Gier und einem unstillbaren Hunger nach mehr Wohlstand, Anerkennung und Kontrolle. Die, die ihren Weg verloren hatten, haben mittlerweile die ehrenvollen Wege völlig verlassen und stattdessen ein bequemes System neuer Regeln und materieller Götter konstruiert, die in ihrem eigenen Abbild erschaffen wurden und die Gesichter ihrer Begierden tragen. Sie würdigen diese Welt lediglich als Mittel zu größerem Überfluss herab. Sie erheben sich als die rechtmäßigen Aufseher und fördern den Glauben, dass diese Erde dazu gedacht ist, ausgenutzt und kannibalisiert zu werden. Die anderen Kreaturnationen, sowie die Mutter Erde selbst, seien den Menschen in ihrer Außergewöhnlichkeit unterlegen und haben daher keine Rechte.

In dieser kurzen Periode der Geschichte wurden die Baumaitri von den Skrupellosen verdrängt, verunglimpft und durch jene neuen Führer mit den hungrigen Augen ersetzt, die mehr Reichtum, mehr Ruhm und mehr Bequemlichkeit für alle versprechen. Nur wenige sind jetzt übrig, um die Wahrheiten zu tragen. Sie müssen aufpassen, die alten Wege und das Wissen zu schützen, damit sie nicht auch das Ziel der Gierigen werden. Es war nur ein Wimpernschlag in der Zeit, seit sich die Wege der Welt verändert hatten, seit der gebende Traum zu einem nehmenden Traum wurde. Wenn die Menschen sich dazu entschließen, das Wilde zu unterwerfen, zerbrechen sie ihre Geheimnisse mit religiösen Proklamationen, die die Naturgewalten dem Willen des Handels unterwerfen. Etwas, das nur getan werden kann, wenn wir uns von unseren Herzen abwenden und verdrängen, dass unsere Entscheidungen immer das Wohlergehen der Welt und anderer Lebewesen einschließen müssen.

Die Kosten für diese Illusion waren zu hoch. Diejenigen, die zur Verteidigung der alten und rechtmäßigen Wege bereitstehen, in der Hoffnung, die anderen Kreaturnationen, die Wälder, Berge und Meere zu schützen und zu ehren, werden regelmäßig als Narren gebrandmarkt. Wenn nötig werden sie niedergedrückt von der wachsenden Macht der Reichtum erzeugenden Großindustrien und politisch motivierten Dogma-getriebenen Religionen bis sie in Vergessenheit geraten sind. Ein großer Kampf um das Leben ist jetzt in Gange, in dem große und kleine Tiere bequem ihrem Gefühlsstatus beraubt und immer noch als Nahrung und wegen ihrer Haut gejagt werden. Viele töten nur zum Sport und finden in ihrer unbarmherzigen Blutlust Unterhaltung. Die grünen Geister erschaudern, während Armeen von Männern die uralten Waldwesen niedermähen, Meere vergiftet und Berge kahlrasiert werden. Die Geschöpfe der Erde, der Himmel und der Gewässer fürchten nun den Menschen und rennen um ihr Leben, wenn sie ihn erblicken. Die Naturgeister, die uns einst begleiteten sind völlig distanziert oder kommen nur noch als fiktive Figuren in Kindermärchen vor. Nachdem sie zu Flüchtlingen vor der endlosen Gier der Menschheit geworden sind, verstecken sie sich und ihre Geheimnisse nun vor den Augen der dunklen Träumer. Und dennoch, wann immer und wo auch immer das Leben dezimiert wird, bringt Mutter Erde es großzügig zur Gesundheit zurück, bietet bereitwillig ihre scheinbar unbegrenzte Fülle an und arbeitet endlos daran, die Gebrochenen oder Verwundeten zu heilen.

Aber alle Lebewesen sind anfällig und unterliegen einem unvermeidlichen Ende. In dieser schönen wässrigen Welt überwiegt das was endet nun dem, was anfängt. Die materielle Erde ist die äußere, sich ständig verändernde Manifestation einer exquisiten Präsenz, die einem ewigen Geist gehört, ein Geist, der über alles hinausgeht, was wir uns als ihr physisches Leben vorstellen können. Aber in ihrem zeitlichen Ausdruck kann auch sie krank werden und sterben, schneller, als die dunklen Träumer glauben wollen. Heute ist diese tötende Plage die dunkle Gier, die die ignoranten Lügner des Kollektivs heimsucht. Ihr Name ist roher Kapitalismus. Durch ihn hat die Menschheit ihren Weg verloren. Heute müssen wir mehr denn je den heiligen Baumaitri, die schlafenden Freunde dieser heiligen Erde, wiedererwecken. Genau jetzt, direkt unter deinen Füßen, ist heiliger Boden. In der Art, wie ein Baum fällt, um Nahrung für die anderen Bäume zu liefern, sind alle Böden dieser Erde voll mit dem verwandelten Fleisch und Blut deiner angestammten Kreatur-Nationen. Er stellt Nahrung für alle bereit, die noch sein werden. Wenn du auf diesem heiligen Boden gehst, lass deine Füße die Erde küssen, deine Lungen atmen im Geschenk ihrer Jahreszeiten. Erlaube, dass die Kreaturen deine Freundlichkeit inspirieren, und lass deinen Mitmenschen dein Mitgefühl dafür spüren, dass er seinen Weg verloren hat.

Wenn du dies gelesen hast und es in deinem Gefühlsherz eine Erinnerung erweckt hat, dann wässere dies jetzt, nähre es, bis es wieder lebendig ist, damit du die Medizin sein kannst, die diese Erde so dringend braucht.

Text: Aaravindha Himadra, Übersetzung: Aiyanna Diyamayi

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